Ein Quadratkilometer Almere

 

ALMERE – Ehrlich gesagt war ich noch nie in Almere gewesen. Höchste Zeit also, dass ich mich in der jüngsten Stadt der Niederlande (Anno 1976) einmal umsehe. Als erstes nehme ich mir exakt einen Quadratmeter vor: Almere Centrum. Im Jahr 2017 wurde es zur besten Innenstadt der Niederlande gekürt. Ich bin aber nicht zum Shoppen hier, sondern wegen etwas anderem.

SCHAU NACH OBEN

Almere Architektur

 

Jetzt denkt ihr vielleicht: Was zum Himmel ist denn an diesem einen Quadratkilometer von Almere so interessant? Sehr viel sogar. Ok, es gibt vierhundert Geschäfte, in denen ich mich verausgaben könnte. Aber jetzt gerade schaue ich nicht ins Innere der Gebäude, sondern auf ihr Äußeres. Da gibt es für den Architekturliebhaber viel zu entdecken. Auf meiner Expedition durch Almere Centrum begleitet mich Paul Meekel vom VVV Almere. Er trägt eine knallrote Jacke mit dem fetten Aufdruck „Guide 036“ (die Vorwahl von Almere). So kann ich ihn auf jeden Fall nicht verlieren, wenn ich auf meinem Architekturspaziergang entlang der 22 architektonischen Höhepunkte irgendwo hängenbleibe.

ALMERE: „DIE IDEALE STADT“

Almere Architektur

 

Silverline (links) und The Wave (rechts).

 

Paul kommt ursprünglich nicht aus Almere, im Gegenteil: Der geborene Amsterdamer konnte es sich vor 20 Jahren nicht einmal vorstellen, in Almere zu wohnen. „Nur über meine Leiche“, gesteht er mir. Aber nachdem seine Schwester dort hinzog, änderte er vor achtzehn Jahren seine Meinung. Und nun ist er stolzer Stadtführer in „seinem“ Almere. Im VVV-Büro erzählt er vom Bau Almeres als „der idealen Stadt“, basierend auf Ebenezer Howards (1850-1928) Verständnis der modernen Städteplanung. Almere ist eine Gartenstadt nach Howard, mit Stadtkernen, die jeweils nur fünf Minuten von dem nächsten Park oder der nächsten Grünfläche entfernt liegen.

DAS ALMERE VON REM KOOLHAAS

Almere Architektur Rem Koolhaas

 

Treppe vor De Citadel.

 

Zwanzig Jahre nach der ersten Schlüsselübergabe an die neuen Bewohner Almeres, wurde beschlossen, das Zentrum umfassend neuzugestalten. Die Stadt wuchs schnell und benötigte daher ein größeres, attraktiveres Zentrum. Der Auftrag wurde offiziell ausgeschrieben, und der Zuschlag ging an das Büro OMA des Toparchitekten Rem Koolhaas. Dieser wandte sich an weitere internationale Architekten und siehe da: Innerhalb von fünfundzwanzig Jahren entstand ein lebendiges Stadtzentrum mit aufsehenerregender Architektur, in dem man wohnen, arbeiten und einkaufen kann und in dem praktisch alle sozialen Einrichtungen zu finden sind.

DUTCH MOUNTAIN

Almere Architektur

 

Aussicht von The Dutch Mountain. Links De Citadel, rechts De Smaragd.

 

Mein Architekturspaziergang startet bei „The Dutch Mountain“, wie Stadtführer Paul den höchsten Punkt des Zentrums nennt. Hier befinden wir uns sechs Meter über dem Erdboden. Das ist natürlich volle Absicht. Koolhaas wollte das Zentrum im übertragenen und im wörtlichen Sinne auf ein höheres Niveau bringen. Unter uns liegt die „Unterwelt“ mit Auto- und Radwegen, Parkplätzen, Fahrradständern und Ladezonen. Das sorgt dafür, dass die gesamte Innenstadt auto- und fahrradfrei ist. Genial, oder? Schaut euch in diesem Video auf dem Dutch Mountain um.

ÜBERRASCHUNG! WOHNEN AUF HOHEM NIVEAU

Almere Architektur

 

Links der Aussichtspunkt auf Hudson Bay, rechts De Citadel.

 

Solange man über hellgelbes Natursteinpflaster läuft, befindet man sich in Almere Centrum. Wenn man sich umschaut, sieht man viele interessante Gebäude. Aber noch viel interessanter ist das, was sich auf den Gebäuden abspielt. Paul nimmt mich in die oberste Etage von Hudson Bay mit, wo eine Überraschung auf mich wartet. Von der Terrasse aus hat man eine schöne Aussicht über das Zentrum. Oben angekommen traue ich meinen Augen kaum: Vor mir liegt ein Wohnviertel mit Grasflächen. Nanu? Wie sieht sowas aus? Na, so: De Citadel. Das nenne ich wohnen auf hohem Niveau.

KEINE NORMALE BIBLIOTHEK

Almere Architektur Bibliothek

 

Der Garten der Bibliothek in Almere Centrum.

 

Almere Architektur Interior

 

Arbeitsplatz in der Bibliothek.

 

Wir betreten die neue Bibliothek. Sofort fallen uns die organischen Formen auf. Sogar die Bücherregale sind rund. Schade, dass Almere etwas zu weit von meinem Wohnort Noordwijk entfernt liegt, sonst wäre ich sofort Mitglied dieser schönen Bibliothek geworden. Ich könnte hier den ganzen Tag herumlaufen, mich ab und zu auf eins der roten Sofas fallen lassen, im Garten entspannen oder die interessanten Teppichmuster studieren. Und natürlich ein Buch lesen oder ausleihen. Oder lernen, das kann man hier auch. Von der oberen Etage aus blickt man auf De Jewel. Dieses Gebäude zeichnet sich durch die vertikale Glasfront im oberen Bereich aus. Von unten ist nichts davon zu sehen, aber von oben blickt man auch hier auf ein kleines Wohnviertel.

 

Almere Architektur wohnen

 

Das Wohnviertel auf dem Gebäude Jewel.

 

Das macht Almere Centrum aus: Es ist voller Überraschungen. Ich könnte noch viel darüber erzählen, aber man muss es mit eigenen Augen sehen. Entweder in Begleitung eines Stadtführers oder mit einer Spazierrouten-Broschüre des VVV Almere. Glaubt mir: Ihr werdet Almere mit völlig anderen Augen sehen!

 

Zur Inspiration hier noch ein paar Fotos, die ich in Almere gemacht habe. Man kann dort einfach nicht mit dem Fotografieren aufhören!

 

Almere Architektur Almere Architektur

Almere Architektur

 

TIPP: Noch mehr imposante Architektur findet ihr in Enschede.