Roombeek Enschede: Phönix aus der Asche

 

ENSCHEDE –  Der 5. Mai 2000 war ein sonniger Tag. Doch mit einem Schlag verwandelte sich der azurblaue Himmel über Enschede in eine dunkle Hölle. Eine riesige Feuerwerksexplosion verwüstete den Großteil des Stadtteils Roombeek. Inzwischen hat sich das Viertel wie Phönix aus der Asche erhoben. Und wie!

ALTE TEXTILFABRIK

Museumfabrik und gastrobar in Enschede. Foto Sybylle Kroon

interior gastrobar roombeek enschede

 

Gemeinsam mit der Stadtführerin Titia Boitelle sitzen wir in der Gastobar von Rozendaal. „Es ist ein Wunder, dass dieses Gebäude noch steht“, erzählt sie. „Früher war Rozendaal jedem ein Begriff: Es war eine Textilfabrik, in der Putztücher gewebt wurden.“ Die Fabrik überlebte die Explosion und wurde danach von Grund auf renoviert, wobei industrielle Elemente erhalten blieben. Neben einer Restaurant-Bar ist auch De Museumfabriek (auf Deutsch: Die Museumsfabrik) im Gebäude untergebracht. Das Bauwerk aus rotem Backstein ist eines der wenigen Elemente, die nach der Katastrophe im Mai 2000 erhalten blieben.

ARCHITEKTURPARADIES IN ENSCHEDE

architektur roombeek

 

Roombeek – ehemals ein Arbeiterviertel mit mehreren Fabriken – wurde in den Jahren nach der Feuerwerkskatastrophe unter der Leitung des Städteplaners Pi de Bruijn wiederaufgebaut. Es ist eine Stadt in der Stadt: „Denn dieses Viertel besitzt alle Einrichtungen, die sonst eine Stadt bietet. Es gibt Schulen, Geschäfte, Cafés, Restaurants, Museen, Unternehmen und Wohnhäuser“, erklärt Boitelle. Fünfzig Prozent der ursprünglichen Bewohner kehrten in das Viertel zurück. Der Straßenplan und die Straßennamen blieben dieselben, aber das Gesicht des Stadtteils änderte sich drastisch. Heute ist es eines der beliebtesten Viertel Enschedes. Auf unserem Rundgang sehen wir „normale“ Reihenhäuser, aber auch Gebäude in außergewöhnlichen Formen und Farben. Vor allem dort, wo die Häuser nach den Regeln des „wilden Bauens“ realisiert wurden. Boitelle: „Roombeek ist ein Paradies für Architekturfans. Hier finden sich Entwürfe von so manchem berühmten Architekten.“

GROUND ZERO

Roombeek in Enschede

ground zero roombeek

 

An dem Ort, an dem die Feuerwerksfabrik stand, „Ground Zero“, befindet sich heute ein kleiner Park. Ein paar Reste des Fundaments sind noch zu sehen. Der Rasen wurde in einem Wellenmuster angelegt, das die Schockwelle der Explosion symbolisieren soll. Dem Roombeek selbst (einem kleinen Fluss) wurde zu seinem alten Glanz verholfen. Er plätschert – in geänderter Form – wieder durch das Viertel. „Der Stadtteil ist beinahe fertig“, sagt Boitelle am Ende der Tour. „Wo früher Fabriken standen, kann man heute angenehm wohnen, arbeiten und leben. Roombeek wurde mit Respekt vor der Vergangenheit und der Zukunft im Blick wiederaufgebaut.“

BEGLEITE TITIA DURCH ROOMBEEK

Titia Boitelle gids in Roombeek

 

Wollt ihr mit eigenen Augen sehen, wie Roombeek aus seiner Asche emporstieg? Bucht dann eine Tour durch die Stadt in Begleitung von Titia. Sie erzählt leidenschaftlich gerne von der Geschichte und der zeitgenössischen Architektur ihres Viertels.

 

Wollt ihr mehr über Enschede wissen? Stöbert dann in diesem virtuellen Bücherregal!

ETWAS AUSSERHALB VON ENSCHEDE

Lutterzand Twente. Foto Sybylle Kroon

 

Enschede liegt in Twente, der östlichen Region der Provinz Overijssel und inmitten einer malerischen Landschaft. Nordöstlich von Enschede, gleich an der Grenze zu Deutschland, liegt der Lutterzand. Dort trefft ihr auf ein besonderes Naturschauspiel.

 

TIPP: Noch mehr imposante Architektur findet ihr in Almere.