Divi-Divis in den Dünen

 

VOGELENZANG – Nein, wir sind nicht auf einer Karibikinsel gelandet. Dort wachsen die echten Divi-Divi-Bäume. Aber die Bäume in den Amsterdamer Waterleidingduinen (auf Deutsch: Wasserleitungsdünen) sind auch nicht von schlechten Eltern. Der Wind weht hier ungehindert übers Land und die Ärmsten müssen sich ihm beugen. Ob sie wollen oder nicht. Ein schönes Bild ist es allemal.

KLEINE TOPOGRAFIE-KUNDE WATERLEIDINGDUINEN

Zuerst aber eine kleine Einführung in die Topografie. Obwohl der Name es vermuten lässt, liegen die Amsterdamer Waterleidingduinen (AWD) nicht bei Amsterdam. Sorry, liebe Amsterdamer, dafür ist dieses Gebiet nun wirklich zu weit außerhalb des Rings. Es grenzt im Norden an Zandvoort, im Westen an die Nordsee, im Süden an De Zilk und im Osten an Vogelenzang. Das einzige, was die AWD mit der Hauptstadt gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass das Wasser hier von der Amsterdamer Wasserbehörde Waternet aufbereitet wird – jedes Jahr an die neunzig Millionen Kubikmeter – und anschließend in Amsterdam und seinen umliegenden Gemeinden aus der Leitung fließt.

 

Besucherscentrum und Wasserwerke im Wasserleitungsdünen (Waterleidingduinen). Foto Edwin Pijpe

RIESENBUCHEN

Das Gebiet besitzt vier Eingänge. Wenn man durch weitläufige Dünenlandschaften spazieren möchte, nimmt man den Eingang bei De Zilk oder Zandvoort. Möchte man lieber durch den Wald flanieren, dann fährt man zum Eingang Panneland oder De Oase bei Vogelenzang. Wir stellen unsere Ente auf dem Parkplatz bei Panneland ab. Beeindruckt spazieren wir an den Riesenbuchen vorbei, die hier der wahren Bestimmung einer jeden Buche nachgehen: würdevoll aussehen. Wie wir erfahren, sind manche von ihnen 150 Jahre alt. Den Platz hinter den Buchen teilen sich Birken, Eichen und Erlen. Wir atmen tief ein und dabei steigt uns ein herrlicher Geruch in die Nase, der uns an Saunagänge erinnert. Es ist die Schwarzkiefer (Pinus nigra), die uns mit diesem Lungenbalsam erfreut. Dieser Baum gehört hier eigentlich gar nicht hin. Er wurde angepflanzt und gedeiht prächtig, als ob er sagen wollte: „Mir doch egal, ich steh‘ hier gut.“ Zugereist oder nicht, von uns aus kann er hier gerne bleiben.

WILDE BÄUME

Sobald die Landschaft der Amsterdamer Waterleidingduinen etwas kahler wird, fällt es sofort auf: Die Bäume werden kleiner und gleichzeitig wilder, bizarrer. Das liegt am Wind. Wir befinden uns natürlich nah am Meer, und hier weht beinahe immer Wind, vor allem aus dem Südwesten. Der Baum gibt dem Wind nach und beugt sich, und nach Jahren des Nachgebens erhält man so etwas wie einen Divi-Divi-Baum. Das stört uns überhaupt nicht, denn es macht das Gebiet sogar fotogener.

 

Wasserleitungsdünen-Waterleidingduinen Amsterdam. Foto Edwin Pijpe

SEHR VIELE BAMBIS

Neben allerlei Vögeln und Insekten ist dieses etwa dreitausend Hektar große Naturgebiet außerdem ein Habitat der Damhirsche. Während man früher um sechs Uhr aufstehen musste, um auch nur einen einzigen Hirsch zu Gesicht zu bekommen, ist das heute völlig überflüssig. Jetzt warten die Bambis geradezu auf Besucher. Nicht jeder ist mit dieser ausgedehnten Hirschpopulation glücklich. Passionierte Jäger und Wildgourmets ausgenommen. In den Wintermonaten werden die Tiere abgeschossen, achtzig pro Woche. So lange, bis der Bestand von dreitausend auf achthundert reduziert ist.

FORELLEN ALS WÄCHTER

Warum dieses Gebiet „Wasserleitungsdünen“ heißt, erschließt sich auf einem Spaziergang schnell. Überall sieht man Kanäle und Wasserläufe. Die führen das Wasser, das ursprünglich aus dem Rhein kommt, in die Dünen, wo es durch die Sandschichten auf natürliche Weise gefiltert wird. Das Wasser ist kristallklar. Ab und zu schwimmen Fische vorbei: Regenbogenforellen. Sie „wachen“ über die Wasserqualität. Denn diese Fische sind bekannt für ihre Sensibilität gegenüber verschmutztem Wasser. Solange sie fröhlich umherschwimmen, ist mit dem Wasser alles in Ordnung. Gelegentlich kommt man an einem wahrhaftigen Wasserfall vorbei, der das Wasser mit Sauerstoff anreichert. Das fröhliche Plätschern begleitet uns, als wir tiefer in den Wald eindringen. Nach ein paar Stunden kommen wir wieder bei unserer Ente aus. Wir reisen aber nicht ab, bevor wir nicht einen Pfannkuchen bei ’t Panneland gegessen haben.

 

Wasserleitungsdünen. Foto Edwin Pijpe

BEINAHE ALLES VERBOTEN IN DEN WATERLEIDINGDUINEN

Für den Zugang zum Gebiet der Amsterdamer Waterleidingduinen muss man ein Eintrittsticket kaufen. Dieses kostet überschaubare 1,50 €. Fahrräder, Motorroller und Autos sind verboten. Inline-Skates, Rollschuhe und Skateboards: No Way. Auch Hunde darf man nicht mit ins Gebiet nehmen. Man darf hier nur spazieren und wandern. Alles für sauberes und sicheres Trinkwasser. Ziemlich logisch, oder?

Dass man an der Küste Dünen sieht, ist nicht weiter verwunderlich. Aber auf der Veluwe?