Leiden: Stadt (und Umgebung) voller Überraschungen

 

LEIDEN – Es ist warm, irgendwo hört man Wasser plätschern, zwischen den Palmen schauen pinke Blüten hervor, und um mich herum flattern große Schmetterlinge. Ich fühle mich wie auf einer tropischen Insel. Aber weit gefehlt… Ich bin „nur“ in den Niederlanden. Im Hortus Botanicus der Stadt Leiden, um genau zu sein. Einer Stadt, die an jeder Ecke mit neuen Überraschungen aufwartet.

 

hortus leiden

DIE GRACHTEN VON LEIDEN

rapenburg leiden

 

Den Hortus pünktlich zu erreichen stellt sich als ziemlich schwierig heraus. Vom Parkhaus De Morspoort aus läuft man nämlich einmal quer durch die historische Innenstadt. Und das an einem wunderschönen Spätsommertag. An einem Tag, an dem das Licht und ebenso die ersten Herbstblätter malerisch auf die Straßen und Grachten Leidens fallen. Ein Tag, an dem alles Schöne noch schöner erscheint. Da soll man sich beeilen? Die Route führt darüber hinaus an der berühmtesten Gracht von Leiden entlang, der Rapenburg. Hier wohnten verschiedene Berühmtheiten, wie der Philosoph Descartes und die königlichen Hoheiten Beatrix und Willem-Alexander. Eine Viertelstunde zu spät erreiche ich schließlich den Hortus Botanicus. Es ist der älteste botanische Garten der Niederlande: Anno 1590, also mehr als 400 Jahre alt.

 

hortus botanicus leiden

BABYS AUF RIESENSEEROSEN

Auch wer kein großer Fan von Bäumen, Pflanzen und Blumen ist, sollte sich diese Sammlung grüner Schätze aus aller Welt nicht entgehen lassen. Die beruhigende Atmosphäre und der angenehme Duft des Gartens sorgen für absolute Entspannung. So schwebe ich durch die Gärten und die riesigen Gewächshäuser und erfreue mich an der ganzen Bandbreite aus Düften und Farben. Ein echtes Must-see ist die Riesenseerose, deren Blätter so groß sind, dass man für besondere Fotoshootings ein Baby darauf ablegen kann. Leider habe ich gerade kein Baby dabei, also muss ich das unbesehen glauben. Auf der zugehörigen Infotafel erfahre ich, dass die Blätter stolze drei Meter Durchmesser erreichen können. Wahre Riesen also.

 

hortus leiden

PRÄHISTORISCHE PFLANZEN

ginkgo biloba

 

In einem weiteren Gewächshaus stoße ich auf eine Sammlung prähistorischer Pflanzen. Hier gibt es Palmen zu bewundern, die schon während der Urzeit auf unserer Erde wuchsen, und fleischfressende Pflanzen, die ihre Feinde bereits seit Millionen Jahren einfach auffressen. Bei einem Baum, der auch in meinem eigenen Garten wächst, bleibe ich etwas länger stehen: Gingko Biloba. Neben ihm liegt der fossile Abdruck eines Blatts ausgestellt. Alter: 40 Millionen Jahre. Zu einer Zeit, in der wir noch als Einzeller durch die Ursuppe schwammen, stand dieser Baum also bereits in der Blüte seiner Jahre. Mit solchen Gedanken nehme ich Abschied von diesem schönen, historischen Ort mitten in Leiden. Na gut, zum Abschluss gönne ich mir noch einen Kaffee im hübsch eingerichteten Hortuscafé. Aber danach möchte ich wirklich mit meiner Kamera bewaffnet die Stadt unsicher machen.

 

cafe hortus leiden

STADTSPAZIERGÄNGE DURCH LEIDEN

Mein Plan ist es, einen der verschiedenen Stadtspaziergänge mit festgelegter Route zu unternehmen. Ich habe die Wahl zwischen einer Rembrandtroute (ja genau, diese Berühmtheit ist ein Sohn der Stadt), einem Hofspaziergang (die Stadt zählt sage und schreibe 35 jahrhundertealte Innenhöfe – ‘hofjes‘ auf Niederländisch) und einer Pilgerroute (vor 400 Jahren machten sich Pilger aus Leiden auf der Mayflower in die Neue Welt auf und gelten als die Mit-Gründerväter Amerikas).

DIE STADT VERFÜHRT

leiden altstadt

 

Mit der Pilger-Broschüre in der Hand mache ich mich auf den Weg. Aber ich bin kaum um die erste Ecke, da bin ich schon von der Route abgekommen. Denn: die schönen Gebäude, Boote auf den Grachten, die Gässchen, die unzähligen Fahrräder, romantischen Ansichten, imposanten Kirchen, gemütlichen Straßencafés und Stadtpanoramen verführen mich immer wieder dazu, vom Weg abzuweichen. Sorry, liebe Pilger! Liegt echt nicht an euch. Trotzdem gelange ich von wie selbst an einen der wichtigen Schauplätze der Pilgerroute: Rund um die imposante Pieterskerk befanden sich lange die Häuser der ‘Glaubensflüchtlinge‘. Die Kirche ist auch so ein ‘Oldie‘: Im Jahr 2021 wird sie 900 Jahre alt. Wundert euch nicht, wenn ihr hier auf viele Amerikaner trefft. Es sind wahrscheinlich Nachfahren der (Leidener) Pilger, genau wie Barack Obama, Clint Eastwood, Marilyn Monroe, George Bush und Millionen weitere Amerikaner es sind.

SCHLÜSSELSTADT LEIDEN

leiden schlusselstad

 

Auf meinem Spaziergang durch die Stadt fällt mein Blick auf ein Schild mit der Aufschrift ‘Burcht’ (Deutsch: Festung). Plötzlich stehe ich vor einem Hügel, über dessen steile Treppe man zu einem Bauwerk gelangt, der Festung. Durch die mit Schlüssel-Ornamenten versehene Zugangspforte laufe ich hinauf. Diese Schlüssel begegnen einem überall in Leiden. Sie sind das Symbol der Stadt, die auch Schlüsselstadt genannt wird. Der Name stammt von Petrus, dem Schutzheiligen Leidens, der in der Bibel die Schlüssel zum Himmelreich erhält. Daher also die Schlüssel. Wer es ganz genau wissen will, liest die Stelle im Neuen Testament des Matthäus-Evangeliums nach. Die Festung selbst ist außer einem runden Bauwerk vor allem ein toller Aussichtspunkt, von dessen Zinnen aus man alle Höhepunkt der Stadt sieht.

 

leiden

FEUDALES RATHAUS

Als ich wieder unten angekommen bin, rufen mich die Straßencafés. Ich streune noch ein wenig durch die Stadt, laufe über einige Brücken, und staune über die vielen Boote, die über die Grachten schippern. Ich kann es ihnen nicht verdenken, denn an so einem schönen Spätsommertag ist es auf dem Wasser einfach nur herrlich. Am Vismarkt stoße ich – erneut – auf ein schönes Gebäude. Es wird zum Teil von Gerüsten verdeckt, aber dennoch erkenne ich, dass es eine wichtige, würdevolle Aufgabe haben muss. Stimmt! Es ist das Rathaus von Leiden. Und so ein Rathaus hat natürlich seinen eigenen Platz, den Rathausplatz (Niederländisch: Stadhuisplein). Dort würde ich es mir gerne auf der Terrasse der italienischen Trattoria City Hall gemütlich machen, wenn nicht gerade alle Tische belegt wären. Glücklicherweise lässt es sich auch im Wintergarten gut aushalten. Und die Menükarte… ist wärmstens zu empfehlen (auch Veggies wie mir).

 

lunch city hall

LEIDEN – STADT VOLLER GESCHICHTEN

Polizeirevier im Stil der Amsterdamer Schule Leiden

 

Nach dem Essen lasse ich mich noch ein paar Stunden durch die Stadt treiben. Ich finde eine echte Perle von Polizeirevier im Stil der Amsterdamer Schule und lerne die Geschichte hinter den altmodischen Koffern kennen, die vor diesem und weiteren Gebäuden stehen. Sie sind Teil eines Mahnmals mit dem Namen Bagage (auf Deutsch: Gepäck). Die steinernen Koffer gedenken der jüdischen Bürger Leidens, die im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden. Die Stadt steckt voller Geschichten und Historie, das sollte inzwischen deutlich geworden sein. Den Kopf voll mit neuen Eindrücken steige ich in meine Ente und mache mich auf die Suche nach der Ruhe außerhalb der Stadt. Im Dunstkreis von Leiden warten interessante Orte darauf, entdeckt zu werden.

VON MEHLFABRIK ZU BRASSERIE

mehlfabrik brasserie leiderdorp

 

Kurz hinter Leiden liegt Leiderdorp. Ein Seitenarm des Oude Rijn ist De Zijl, an dessen Ufer sich der Zijldijk und eine alte Mehlfabrik mit dem Namen Zijlstroom befinden. Mehl wird hier schon lange nicht mehr verarbeitet. Heute isst man in der Brasserie köstliche Gerichte und schaut den Booten auf dem Fluss zu. Den Koch sieht man häufig im angrenzenden Gemüsegarten beim Ernten der frischen Zutaten. Im Gemüsegarten steht auch ein Gewächshaus. Darin trifft man allerdings nicht auf exotische Pflanzen, sondern auf einen Tisch, zwei Stühle und Kerzen, denn es ist die perfekte Location für ein romantisches Abendessen zu zweit. Auch der Wintergarten oder die Terrasse eignen sich perfekt für ein schönes Frühstück (unbedingt das selbstgemachte Müsli probieren!), Mittagessen oder Dinner.

 

zijlstroom brasserie leiderdorp leiden

NATUR NEBEN DER AUTOBAHN

Munnikenpolder mit Mühle leiderdorp bij leiden

 

Leiderdorp wird von der Autobahn A4 durchkreuzt. Auf der einen Seite befindet sich der Möbelboulevard, auf der anderen Seite das Naturgebiet ‘Groene Hart‘ (auf Deutsch: Grünes Herz). Dort liegt der Munnikkenpolder. Das Areal kann man nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Gleich neben der Autobahn fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Es ist ein Naturgebiet im Miniaturformat und ein kleines Vogelparadies, wie die mit Ferngläsern bewaffneten Vogelbeobachter bezeugen. Bachstelzen, Rohrammern, Schnepfenvögel und Gänse haben rund um den See eine Heimat gefunden. Die Wege sind von Riet gesäumt und führen zu zwei Poldermühlen. Eine davon, die Munnikkenmühle, sorgt dafür, dass die Einwohner Leidens trockene Füße behalten. Wenn die Mühle sich dreht, bedeutet das, dass der Müller Erik Kopp anwesend ist. Wer freundlich fragt, dem zeigt er sogar die Mühle. Voller Leidenschaft erzählt er dann von der besonderen Geschichte ‘seiner‘ 130 Jahre alten Mühle und ihrer heutigen Funktion.

 

Müller Erik Kopp Munnikkenmühle Leiderdorp bei Leiden

ZURÜCK NACH OEGSTGEEST

Nach Leiderdorp steht Oegstgeest auf dem Programm. Ein Dorf, das von Vornehmheit nur so strotzt. Hier stehen Häuser, von denen wir nur träumen können. Auch die Läden der Innenstadt sind auf die vornehme Klientel abgestimmt. Im alten Dorfkern, nahe der Kempenaerstraat – früher auch bekannt als die Kö von Südholland – sucht man vergebens nach McDonalds oder Action. Dafür findet man hier elegante Geschäfte, Fachhändler, Boutiquen mit Couture und geschmackvolle Restaurants. Darunter eine Brasserie, die ihrem Namen alle Ehre macht: Hemels (auf Deutsch: Himmlisch).

 

Hemels Oegstgeest

 

Ein Stück weiter befindet sich das vermutlich verführerischste Geschäft von Oegstgeest: de KoffieMeulen. Hier bekommt man nicht nur einen perfekten Latte Macchiato, Espresso oder Tee für Feinschmecker serviert, auch den Vitrinen mit Schokolade, Nougat und Plätzchen kann man nur schwer widerstehen. Mach es wie die Einheimischen und hol dir eine Packung frischgemahlenen Kaffee (mit einer Auswahl von 25 Bohnensorten), oder entscheide dich für eine der 80 Teesorten. Eigentümerin Karen Welter und ihre langjährige Mitarbeiterin Jalisa geben außerdem Kaffeeworkshops und organisieren Kaffeeverköstigungen. Ein guter Grund, noch einmal wiederzukommen.

 

koffiemeulen oegstgeest

AUCH AUF INSTAGRAM

Während meiner Reisen durch die Niederlande poste ich jeden Tag neue Storys mit Fotos und Videos auf Instagram. Die könnt ihr euch in den Höhepunkten ansehen (die Kreise zwischen Profil und Fotogalerie).
Toll/toller/großartig, wenn ihr mir folgt!

 

Parken kann man in Leiden an verschiedenen Orten im Stadtzentrum und rund ums Zentrum herum. Ich habe bei der Morspoort geparkt. Vom Parkhaus aus ist alles fußläufig zu erreichen. Fahrt ihr mit dem Zug nach Leiden? Auch kein Problem, denn vom Bahnhof Leiden Centraal aus ist man im Handumdrehen in der Innenstadt.

 

morspoort parking leiden

 

Ihr wollt mit der Familie, Freunden oder Kollegen Fahrräder leihen? Leiden und Umgebung eignen sich hervorragend für eine Erkundungstour per Rad. Bei Bizon Events könnt ihr coole Räder mit großem Korb ausleihen.

 

fahrrad leiderdorp

 

Meine Reise nach Leiden und Umgebung erfolgte im Rahmen der Kampagne „Streek van Verrassingen/Proef de Streek“ (auf Deutsch: Region der Überraschungen/Koste die Region) auf Einladung von Leiden Marketing.

 

sybylle in leiden leiderdorp

 

Leiden grenzt sowohl an die Küste als an die Tulpenfelder. Deshalb ist ein Städtetrip nach Leiden hervorragend mit einem Strandspaziergang oder – im Frühling – einer Tour durch die Tulpenfelder der Blumenzwiebelregion Bollenstreek zu kombinieren.