Der Garten von Amsterdam

 

AMSTERDAM – Eingekesselt zwischen Autobahnen, dem Bankenviertel Zuidas und dem Flughafen Schiphol: der Amsterdamer Wald (auf Niederländisch „het Amsterdamse Bos“) ist von Beton, Glas und Asphalt geradezu eingepfercht. Und doch sind Generationen von Amsterdamern ihrem „Garten“ liebevoll zugetan. Als „Landpomeranze“ (denn ich komme aus einem Ort außerhalb des Amsterdamer Rings) habe ich das Glück, von einem waschechten Amsterdamer an die Hand genommen zu werden.

Kultur zwischen den Bäumen

Dieser Amsterdamer – nicht ganz zufällig auch der Mann, mit dem ich verheiratet bin – kam schon als Kind in diesen Wald. Wo soll man auch sonst hingehen, wenn man im dritten Stock in der Südstadt groß wird? Turnschuhe an und los, denn der Wald ist ganz schön groß. Wer mit der Umgebung ein wenig vertraut ist – und das ist mein Begleiter – weiß genau, wo die schönsten Fleckchen zu finden sind. Denn dieser Wald ist nicht einfach so ein Wald. Hier gibt es außer viel Grün auch Kunst, Kultur und Architektur zu entdecken.

 

Amsterdamer Wald, foto Edwin Pijpe

Stolze 116 Brücken

Brücke. Foto Edwin Pijpe Brücke. Foto Edwin Pijpe

Brücke. Foto Edwin Pijpe

 

Als ich gerade mein Wandertempo erreiche, bleiben wir bei der 1. Brücke schon wieder stehen. Diese Brücke wurde nämlich von dem Architekten Piet Kramer entworfen. Und nicht nur diese eine Brücke: insgesamt entwarf der gute Mann 67 der Brücken im Amsterdamer Wald, jede anders gestaltet als die nächste. Natürlich im Stil der Amsterdamer Schule, was auch sonst? Plötzlich betrachte ich so etwas Gewöhnliches wie eine Brücke mit ganz anderen Augen. Dies ist nicht nur eine Verbindung von A nach B, sondern etwas, worüber  jemand lange nachgedacht hat. Dieser Wald ist ein richtiger Brücken- und Wasserwald, denn neben den 67 Brücken von Kramer gibt es noch 50 weitere Exemplare. Ein bisschen zu viele, um bei jeder einzelnen stehenzubleiben.

Der Amsterdamer Wald als Kunstgalerie

Amsterdamer Wald. Foto Edwin Pijpe

 

Der Amsterdamer Wald ist ein Wander- und Radfahrparadies mit eigener Kunstgalerie. An verschiedenen Stellen findet man Kunstwerke, wie die hölzernen Statuen von Serge Verheugen, die Skulpturen von Ulrich Rückriem und die eisernen Baumstrünke der Landschaftsarchitekten West8. Zwischen den Bäumen blitzt gelegentlich die „Zivilisation“ durch. Nicht weiter schlimm, denn die Ausblicke sind oft besondere und machen den Waldspaziergang sogar ein bisschen interessanter.

 

Kunst in Amsterdamer Wald. Foto Edwin Pijpe

Rathaus Amstelveen. Foto Edwin Pijpe

Jugend im Amsterdamer Wald

Im Verlauf unseres Spaziergangs zeigt mein Wanderführer immer wieder mal nach links und rechts. Beim Spielplatz: „Schau mal, da habe ich als Kind mit meinen Eltern gepicknickt.“ Beim Schwimmbad… Moment mal: ein Schwimmbad? Ok, es ist eher ein Planschbecken, aber immerhin: „Als ich ein kleiner Junge war, gingen meine Eltern im Sommer immer mit mir hierhin.“ Bei den Ziegen: „Sehr oft besucht.“ Bei der Manege: „Als Schüler habe ich mich hier um die Pferde gekümmert.“ Beim Freiluft-Waldtheater: „Hier habe ich schöne Aufführungen gesehen.“ Bei der Waldrennbahn: „Meinen ersten Triathlon bin ich hier gelaufen.“ Beim Kanuverleih: „Einmal haben ein Freund und ich uns mit einem Kanu überschlagen.“ So ungefähr seine ganze Jugend hat sich im Amsterdamer Wald abgespielt. Schließlich war er auch sein Garten und sein Spielplatz. Genauso, wie er das heute immer noch für viele Amsterdamer ist. Und alle Nicht-Amsterdamer dürfen gerne zum Spielen vorbeikommen!

 

Weitere besondere Wälder findet ihr zum Beispiel in Anloo (Drenthe).