Discover the Dark in Friesland

 

LAUWERSMEER – Es ist einer der dunkelsten Orte der Niederlande: Das Lauwersmeer im Norden Frieslands (na gut, und Groningens). Mehr als das: Es darf sich offiziell Dark Sky Park nennen. Hier sieht man nachts wortwörtlich die Hand vor Augen nicht. Was man dagegen sehr gut sieht sind Dutzende, Hunderte, Tausende, vielleicht sogar Millionen Sterne. Der Himmel hat seine Festbeleuchtung angeknipst.

 

Dark Sky Lauwersmeer foto Andrë van der Meulen

Foto: André van der Meulen

NACHTSICHTGERÄT IN DEN AUGEN

„Es dauert ungefähr zwanzig Minuten, bis sich die Augen wirklich an die Dunkelheit gewöhnt haben“, erzählt Jaap Kloosterhuis, Förster und Naturführer im Lauwersmeergebiet. Das hat etwas mit den kleinen Kegeln und Stäbchen im Auge zu tun. Handys und andere Lichtquellen müssen daher ausgeschaltet bleiben. Nur dann machen sich die lichtempfindlichen Stäbchen, die „Nachtsichtgeräte“, an die Arbeit. „Schaut man aus Versehen wieder in eine Lichtquelle, dann muss man von vorne beginnen“, so Jaap. Na schön, das Handy verschwindet in der Tasche. Das einzige Licht, das uns ab und zu streift, stammt vom Leuchtturm von Schier-mon-nik-oog (vier Silben, vier Lichtblitze). In regelmäßigen Abständen wuschhh-en die Lichtstrahlen über den dunklen Horizont. Das intensiviert unser Erlebnis sogar noch.

DARK SKY ÜBER DEM LAUWERSMEER

Wir spazieren durch den Dark Sky Park Lauwersmeer. Ein Naturpark, der 24 Stunden am Tag geöffnet ist. Tagsüber kann man hier die grüne Naturpracht, das viele Wasser, die unzähligen Vögel, Gänse, Konikpferde und Schottischen Hochlandrinder bewundern. Aber jetzt, um elf Uhr abends, gibt es nicht viel zu sehen. Man soll aber auch nicht nach rechts und links schauen, sondern nach oben. Denn dort findet das beeindruckende Schauspiel statt. „Da, eine Sternschuppe“, ruft Jaap. Ich suche schnell den Himmel ab, aber: Sternschnuppe? Fehlanzeige! Ich bin mal wieder zu spät. Zum Glück fallen viele, viele Sterne heute nicht vom Himmel, sondern funkeln am pechschwarzen Firmament. Die Stielpfanne (Großer Bär) finde ich noch selbst. Und der Polarstern ist auch nicht schwer zu finden. Aber um den Delfin und den Schwan zwischen den Millionen anderen Sternen auszumachen, brauche ich dann doch Jaaps Hilfe.

DARK SKY = STERNEGUCKEN

Inzwischen kann ich meinen Blick nicht mehr von der Milchstraße abwenden. Ich habe viel darüber gehört, aber sie noch nie auf diese Weise, in ihrem vollen Ornat, gesehen. Das geht in der Stadt auch gar nicht. Auch nicht im Westen der Niederlande. In der Nähe von Gewächshäusern. Oder wenn man von Nachbarn umgeben ist, die Angst vor Einbrechern haben. „In den Niederlanden gibt es viel Lichtverschmutzung“, erzählt mir Jaap. „Deshalb wird es an vielen Orten nie richtig dunkel, und dann sieht man die Sterne nicht so gut. Sie sind aber immer da. Und einer der besten Orte zum Sternegucken ist hier, im Lauwersmeergebiet.“ In den Niederlanden gibt es noch einen weiteren Dark Sky Park: De Boschplaat auf Terschelling. „Dort ist es sogar noch dunkler als hier“, gibt Jaap zu. Das ist mir jedoch egal, ich habe hier im äußersten Norden des friesischen Festlandes nicht nur die Dunkelheit entdeckt, sondern auch den Himmel.

ÜBER DISCOVER THE DARK

Dark Sky Foto André van der Meulen

Ich war auf Einladung von Merk Fryslân beim Kick-Off der Kampagne „Discover the Dark“ dabei. Mit anderen Bloggern aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland besuchten wir besondere Orte in Friesland. Außerdem lernten wir Veranstaltungen kennen, die auf die eine oder andere Weise mit der Dunkelheit zu tun haben. Der Instagram-Fotograf André van der Meulen machte das Gruppenfoto mitten im dunklen Lauwersmeer. Schauen Sie sich auch den fantastischen Sternenhimmel über unseren Köpfen an!

Planetarium in Franeker

Planetarium Franeker

planetarium franeker

Das Planetarium von Eise Eisinga (entstanden zwischen 1774 und 1781) ist das älteste noch intakte Planetarium der Welt. Hier kann man das Sonnensystem entdecken und sieht, wie die Planeten die Sonne umkreisen. Auf die Sekunde genau, zumindest beinahe. Fast genauso beeindruckend wie das dunkle Weltall über dem Lauwersmeergebiet.

Aerden Plaats in Oudebildtzijl

Von außen scheint das Gebäude an der Durchgangsstraßen von Oudebildtzijl nichts Besonderes zu sein. Aber einmal im Inneren angekommen, entdeckt man das Außergewöhnliche dieses Ortes. Das kulturelle Besucherzentrum wartet mit vielen Überraschungen auf, wie einem großen Schmetterlingsgarten oder einer versteckten Kirche. Es ist einer der Veranstaltungsorte des „Verhalenavond“ (auf Deutsch: Geschichtenabend), der jedem november stattfindet. In ganz Friesland kommen Erzähler und Zuhörer zusammen, um an diesem dunklen Novemberabend Geschichten auszutauschen.

Explore the North

Eine weitere Veranstaltung ist Explore the North, das jedem Jahr in November in Leeuwarden stattfindet. Während der „dunklen Tage vor Weihnachten“ also. An diversen – geheimen – Orten in der friesischen Hauptstadt warten Überraschungen aus den Bereichen Musik, Kunst und Theater auf die Besucher.

Luna Festival

Wer ende November in Leeuwarden aufhält, trifft dort den einen oder anderen Menschen mit leuchtender Kopfbedeckung an. Das sind die Stadtführer des Luna Festivals, die Besucher durch das dunkle Leeuwarden geleiten. Dunkel ist dabei relativ: Die ganze Stadt ist mit den Arbeiten internationaler Licht- und Medienkünstler geschmückt.

Im Rahmen der Kampagne Discover the Dark finden noch viele weitere Veranstaltungen statt. Eine Übersicht findet man auf der Webseite der Organisatoren.

 

TIPP – Auch interessant: der Abschlussdeich im Dunkeln!

 

dark sky friesland lauwersmeer

SCHÖNE ADRESSEN, DIE ICH AUG MEINER REISE DURCH ‘DARK SKY’ FRIESLAND ENTDECKT HABE

De Gastenkamer in Ee

Übernachtet habe ich auf meinem Trip in dem Ort mit dem kürzesten Namen der Niederlande: Ee (auf Friesisch: Ie). In diesem hübschen Warftendorf im Nordosten Frieslands leitet Adrie Huisman De Gastenkamer. Hier schlief ich in einem authentischen Warfthaus mit offenem Kamin und gut gefülltem Kühlschrank.

Hert van Frentsjer und Brasserie de Stadstuin

In einer ehemaligen Kirche an der Dijkstraat in Franeker kann man hervorragend essen gehen. Das Hert van Frentsjer (auf Deutsch: Herz von Franeker) steht – wie der Name bereits sagt – im Herzen der Stadt. Franeker ist eine der friesischen elf Städte und berühmt für sein Planetarium und den Springbrunnen in Form der Oortschen Wolke. In der Brasserie de Stadstuin im Planetarium wird in authentischem Ambiente Kaffee und friesisches Gebäck („Oranjekoek“) serviert.

Roast in Leeuwarden

An der Nieuwestad in Leeuwarden liegt das Restaurant Roast. Es ist industriell eingerichtet, aber gemütlich, und bietet eine gute Mittags- und Abendkarte. Wer zufällig am 26. Oktober 2019 in der Stadt ist, sollte für ein Candle-Light-Dinner bei Roast vorbeischauen. Denn in der „Nacht der Nacht“, einer landesweiten Initiative, die auf die Lichtverschmutzung aufmerksam machen will, gehen bei Roast die Lichter aus und werden stattdessen die Kerzen angezündet.