Große Geschichte, kleine Stadt: Kampen

 

KAMPEN – Im Mittelalter war Kampen eine der mächtigsten und wohlhabendsten Städte Nordwesteuropas. Ihre Größe verdankte sie dem Hansebund, der Europäischen Union von anno dazumal. Noch immer weht der Geist mittelalterlicher Handelskunst durch die Straßen dieser kleinen Stadt an der IJssel.

BRÜCKE MIT GOLDENEN RÄDERN

Stadtbrücke Kampen. Foto Sybylle Kroon

 

Der Zugang zur Stadt ist bereits beeindruckend. Während wir über die Stadtbrücke mit ihren goldenen Rädern laufen, fällt uns als erstes die „Skyline“ ins Auge. Kein Hochbau, sondern historische Gebäude, Tore und Kirchen bestimmen das Stadtbild dieser Hansestadt. Genauso müssen auch die mittelalterlichen Kaufleute, die mit ihren Schiffen voller Handelswaren aus Skandinavien, Deutschland oder dem Baltikum zurückkehrten, ihre Stadt gesehen haben. Eine Replik eines solchen mittelalterlichen Küstenschiffs ist in der Koggenwerft zu sehen, wo der Stadtsprecher stolz die Geschichte seiner Stadt und der Kamper Kogge zum Besten gibt.

GESCHÄFTIGES TREIBEN IN KAMPEN

In den mittelalterlichen Straßen bemerkt man auffallend viel handwerkliches Treiben. Wir riechen Tabak. Das ist kein Zufall: In Kampen gab es einst hundert Zigarrenfabriken. Heute ist eine davon noch immer aktiv: De Olifant in der Voorstraat. Die vierte Generation der Familie Van der Sluis produziert jede Woche noch 80.000 Zigarren. Etwas weiter hören wir Hammerschläge auf Stahl. Sie stammen von Meisterschmied Sven de Lang aus der einzigen (und jahrhundertealten) Schmiede, die Kampen noch sein Eigen nennt. Auch von den dutzenden Brauereien ist nur noch eine übrig geblieben. Wir trinken ein selbstgebrautes Bier von De Wereld in der traditionellsten Kneipe Kampens: De Stomme van Campen. Der Name, zu Deutsch „Der Stumme von Kampen“, verweist auf den gehörlosen Maler Hendrick van Avercamp aus dem 17. Jahrhundert.

ZEITREISE KAMPEN

Kampen. Foto Sybylle Kroon

 

Auf unserem Spaziergang durch Kampen entdecken wir zwischen den gut erhaltenen Giebeln und Packhäusern immer wieder Wandmalereien. Es handelt sich um Reklame aus vergangenen Zeiten, denen zu neuem Glanz verholfen wurde. Gibt est noch viel mehr kulturelles und geschichtliches Erbe zu bewundern? Es fühlt sich an, als wären wir auf Zeitreise. Alte Bauernhöfe, die im Mittelalter auf den Flussdünen der IJssel erbaut wurden. Die Koornmarktspoort, das älteste Tor von Kampen. Ein Turm ohne Kirche, der nur dazu da war, der Welt die Macht Kampens zu demonstrieren. Die Bovenkerk, die erste Kathedrale der Niederlande, mit ihrer weltberühmten Orgel. Derart gibt es noch fünfhundert weitere Denkmäler, Museen und Sehenswürdigkeiten. Zum Glück besitzt die Hansestadt, wie es sich für eine echte Hafenstadt gehört, außerdem genügend Cafés und weitere Entspannungsmöglichkeiten. So können wir uns eine Verschnaufpause von all den Eindrücken, die diese kleine Hansestadt an der IJssel uns bietet, gönnen.

KAMPENER ZWIEBELN

Schon seit mehreren hundert Jahren sind die fantastischsten Geschichten über Kampen und seine Einwohner im Umlauf. Diese Geschichten nennt man „Kamper Uien“ (auf Deutsch: Kampener Zwiebeln). Ammenmärchen, die auch heute noch die Fantasie anregen. In einer dieser Geschichten spielt ein Stör eine wichtige Rolle, daher nennt man die Einwohner auch gerne mal „Kampener Störe“. In den Sommermonaten, während der Kampener Ui(t)dagen baumelt eine Kuh am Turm Nieuwe Toren. Auch diese verweist auf eine der städtischen Sagen.

 

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Hauptfoto: Richard Tennekes