Amelands unbewohnter Osten

 

AMELAND – Unter unseren Füßen knirschen die „Rasiermesser“. Hunderte, Tausende, Millionen dieser für Holland typischen Scheidenmuscheln bilden an der Ostseite Amelands, wo Nordsee und Wattenmeer einander in die Arme getrieben werden, einen großflächigen Muschelteppich. Wir blicken uns um: eine einzige große Leere, so weit wie das Meer. Der Wind weht uns an diesem gottvergessenen Stück Land im Watt, das wie ein unentdeckter Planet zu unseren Füßen liegt, ungnädig um die Ohren.

 

Ostpunkt Ameland. Foto Sybylle Kron

SO NAH UND DOCH SO FERN

Die Entdeckungsreise startet bereits am Pier von Holwerd, wo die „Oerd“ auf uns wartet. Man sieht die Insel von hier aus bereits, sie scheint zum Greifen nah. Die Fähre bringt uns in Begleitung einer Möwenkolonie innerhalb von einer Dreiviertelstunde auf die andere Seite des Watts. Und ist man einmal dort, im Hafen von Nes, dann scheint der Alltag wiederum ganz weit weg zu sein. Was fünfundvierzig Minuten auf einer Fähre nicht alles bewirken können.

WÜSTES AMELAND

Von Nes aus fahren wir mit dem Fahrrad weiter nach Osten, nach Buren. Hinter diesem Dorf ist Ameland so gut wie unbewohnt. Ab dem Naturgebiet ‘t Oerd beginnt der wüsteste, authentischste Teil Amelands. Wir lassen unsere Räder am Endpunkt des Radwegs zurück und klettern zum Aussichtspunkt auf der höchsten Düne der Watteninsel: die vierundzwanzig Meter hohe Oerdblinkert. Die Belohnung ist fantastisch: ein Panoramablick auf den westlichen Teil Amelands. Sogar große Abschnitte der friesischen Küste können wir von hier aus sehen.

AMELAND: VON WIND UND WASSER GEFORMT

Ameland. Foto Edwin Pijpe

 

Nach dem „Abstieg“ starten wir unsere Wanderung zum östlichsten Punkt Amelands. Diese führt uns am Watt entlang, über Marschwiesen, durch Priele, über niedrige Dünen und durch Täler. Währenddessen kreisen Raubvögel über unseren Köpfen, Gänse suchen nach Nahrung für ihren Nachwuchs und Austernfischer fliegen zwitschernd vorbei. Hier ist man mitten in der Natur, so wie sie von Wind und Wasser geformt wurde. Wir laufen weiter und gelangen schließlich zum Ostpunkt Amelands: De Hôn. Hier können wir sogar noch eine Kolonie Löffelreiher beobachten. Der Strand scheint kein Ende zu nehmen. Man sieht nicht einmal das Meer, so groß ist dieser östliche Strand. Nur einen einsamen Strandpfahl, die Dünen von De Hôn, eine Bohrinsel auf See, und wenn wir ganz genau hinsehen auch den Leuchtturm der Nachbarinsel Schiermonnikoog.

DA BELLT KEIN HUND, NUR EIN SEEHUND

Ameland. Foto Edwin Pijpe

 

Um uns herum bilden Tausende „Rasiermesser“ im Sand einen knisternden Teppich. Wir laufen wie gestrandete Raumfahrer über diesen weitläufigen, verlassenen, leeren und endlosen Strand. Hier bellt kein Hund und kräht kein Hahn. Die einzigen, die sich sehen lassen, sind Seehunde, die auf der Suche nach einem ruhigen Ort sind. Und das haben sie hier in diesem verlassenen Teil Amelands auf jeden Fall gefunden.

NICHT VERPASSEN

Wenn man wieder in die bewohnte Welt Amelands zurückgekehrt ist, sollte man dies nicht verpassen:

 

  • Das Restaurant Eeterij Tante A’n in Hollum serviert lokale und internationale Gerichte mit lustigen Namen wie „Kaninchenfutter mit Pilzen“ oder „Guck nicht so sauer“.
  • Egal, wie spät man das Nes Café im Ort Nes besucht, es ist (beinahe) immer geöffnet.
  • Ein Besuch der Insel Ameland ist nicht vollständig ohne einen Abstecher ins Hotel-Café-Restaurant-Spirituosengeschäft Nobel in Ballum.
  • Man muss zwar erst die 236 Stufen des Leuchtturms in Hollum besteigen, aber von oben hat man die schönste Aussicht über Ameland.

Leuchtturm Ameland. Foto Sybylle Kroon

 

Lesen Sie auch über die andere Watteninsel Texel und Schiermonnikoog.